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Die Bestattungsbräuche gehören zu den ältesten Bestandteilen der vietnamesischen Kultur. Dennoch kennt nicht jeder die einzelnen Riten genau oder weiß, was sie bedeuten. Hier stellt Flosa die wichtigsten Bräuche einer vietnamesischen Beerdigung zum Nachlesen zusammen.

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Vietnamesische Bestattungsbräuche

Traditionelle vietnamesische Bestattungsbräuche, von Generation zu Generation weitergegeben

Was die Bestattungsbräuche für Vietnamesen bedeuten

Die Bestattungsriten gelten als Ausdruck des Respekts und der Ehrfurcht, die die Lebenden einem gerade Verstorbenen schulden. In der vietnamesischen Tradition gilt die menschliche Seele als heilig. Einem Toten eine würdige Beerdigung zu geben, ist daher ein moralischer Grundsatz, der seit Langem tief im Denken der Menschen verwurzelt ist.

Eine Beerdigung ist zugleich der Anlass, bei dem Familie, Verwandte, Freunde und Nachbarn ihre aufrichtige Verbundenheit mit dem Verstorbenen zeigen. Besucher bringen üblicherweise eine Kondolenzgabe mit, phúng điếu genannt, als Zeichen tiefer Anteilnahme. Das gegebene Geld hilft der Familie außerdem, in einer schweren Zeit die Kosten der Beerdigung zu tragen.

Auf spiritueller Ebene versteht man den Tod als das Verlassen des Körpers durch die Seele: Der Leib vergeht, die Seele aber lebt nach diesem Glauben weiter. Deshalb wird eine Trauerfeier mit Zeremonien und Opfergaben abgehalten, damit die Seele bald Erlösung findet.

Die wichtigsten Begriffe und Riten einer vietnamesischen Beerdigung

Die wichtigsten Begriffe und Riten einer vietnamesischen Beerdigung

Eine traditionelle vietnamesische Beerdigung in früheren Zeiten

Vorbereitende Riten vor der Beisetzung

  • Trùng tang (wörtlich „wiederholte Trauer“): In manchen Regionen Vietnams wird von der Familie erwartet, Tag und Stunde des letzten Atemzugs genau festzuhalten, um zu sehen, ob sie auf einen ungünstigen Zeitpunkt fallen. Ist das der Fall, klebt die Familie nach dem Einkleiden des Leichnams ein Papieramulett auf den Sargdeckel. Auf dem Weg zur Beisetzung geht ein als Heerführer verkleideter Mann dem Trauerzug voran und führt einen Schwerttanz auf, um böse Geister zu vertreiben. Bei der Beisetzung werden vier Schneckenhäuser an die vier Ecken des Grabes gelegt.
  • Aufstellen des Traueraltars (lập bàn thờ tang): Auf der Ostseite wird ein „Bett für die Seele“ aufgestellt, mit Kissen und Vorhang wie zu Lebzeiten. Der Altar steht vor dem Sarg. In seiner Mitte befinden sich eine Gedenktafel mit dem vollen Namen und das Porträt des Verstorbenen. Vorn steht die Räucherschale, zu beiden Seiten Lampen oder Kerzen, Reiswein und eine Platte mit fünf Obstsorten.
  • Hạ tịch (den Leichnam auf die Erde legen): Hinter diesem Ritus steht der Gedanke, dass der Mensch aus der Erde kommt und im Tod zur Erde zurückkehrt. Eine Matte wird auf dem Boden ausgebreitet und der Leichnam für kurze Zeit darauf gelegt, bevor man ihn wieder anhebt, in der Hoffnung, dass die Erde dem gerade Verstorbenen den Lebensatem zurückgibt.
  • Die Todesanzeige (cáo phó): Eine Bekanntmachung, die vor dem Trauerhaus ausgehängt wird. Sie nennt die Angaben zum Verstorbenen (Name, Geburtsdatum, Tag und Stunde des Todes) sowie Zeit und Ort der Trauerfeier und der Beisetzung, um Verwandte und Freunde zu informieren. Heute veröffentlicht man die Anzeige auch in den sozialen Medien und ändert das eigene Profilbild in Schwarz oder in eine weiße Lotosblüte, um zu zeigen, dass die Familie in Trauer ist. Wer nicht persönlich kommen kann, kann der Familie so dennoch sein Beileid aussprechen.
  • Einkleiden und Einsargen (khâm liệm und nhập quan): Beim Einkleiden wird der Leichnam in weißes Tuch gehüllt. Zum Einsargen stellen sich die Angehörigen ringsum auf, heben den Leichnam auf einer Stoffbahn an und senken ihn in den Sarg. Auf den Sarg stellt man eine Schale Reis mit einem gekochten Ei und einem senkrecht hineingesteckten Paar Essstäbchen. Nach altem Brauch steht der Sarg immer mit dem Kopfende nach außen, zur Tür hin.
  • Ausgabe der Trauerkleidung (phát tang): Dieser Ritus heißt auch thành phục. Jedes Mitglied der Familie und der weiteren Verwandtschaft erhält Trauerkleidung, zieht das Trauergewand an und bindet das Trauerstirnband um (beides unterscheidet sich je nach Stellung in der Familie). Von diesem Moment an ist man offiziell in Trauer.
  • Kondolenzgaben (phúng điếu): Dies ist ein besonderer Brauch vietnamesischer Beerdigungen. Wer kommt, um die letzte Ehre zu erweisen, bringt eine Gabe mit, um nach der Familie zu fragen, ihren Verlust zu teilen und ihr Mut zuzusprechen. Das kann Geld sein, Obst oder Räucherstäbchen und Kerzen. In manchen Familien kommen diejenigen, die Trauerkleidung tragen, nicht heraus, um die Besucher zu empfangen. Je nach Brauch der Familie verbeugen sich die Besucher auf traditionelle Weise oder neigen einfach den Kopf vor dem Sarg. Heute bitten manche Familien darum, kein Geld zu geben. In diesem Fall können Sie stattdessen einen Obstkorb oder einen Trauerkranz mitbringen, um Ihre aufrichtige Anteilnahme zu zeigen.

Riten der Beisetzung

  • Überführung des Sarges (động quan): Der Sarg wird zu seiner letzten Ruhestätte gebracht, zur Erdbestattung oder zur Einäscherung. Das übernehmen meist die Mitarbeiter des Bestattungsdienstes oder kräftige junge Männer aus dem Dorf.
  • Absenken ins Grab (hạ huyệt) oder Einäscherung: Die Erdbestattung oder Einäscherung wird vollzogen, je nachdem, wofür sich die Familie entschieden hat.
  • Heimholen des Porträts (rước di ảnh): Das Porträt des Verstorbenen wird nach Hause getragen und auf den Altar gestellt, wo die Familie weiterhin Räucherstäbchen anzündet und Opfergaben darbringt.

Beisetzungsriten nach vietnamesischem Bestattungsbrauch

Der Sarg des Verstorbenen wird zu seiner letzten Ruhestätte gebracht

Riten nach der Beerdigung

  • Die Zeremonie am dritten Tag: Drei Tage nach der Beisetzung bringt die Familie Opfergaben dar und besucht das Grab. Man nennt dies auch mở cửa mả, „das Öffnen der Grabestür“.
  • Die Zeremonie am 49. Tag: Auch chung thất genannt, das Ende der siebten Woche. Nach der Beisetzung, sobald der Altar aufgestellt ist, bietet die Familie dem Verstorbenen jeden Tag eine Mahlzeit dar. In der siebten Woche hält sie die Zeremonie chung thất ab und beendet die täglichen Speisegaben.
  • Die Zeremonie am 100. Tag: Nach 100 Tagen lädt die Familie einen Ritualmeister ein, der den Ritus thôi khóc vollzieht, „das Ende des Weinens“. Er verbrennt Trauerkleidung und Habseligkeiten des Verstorbenen, und das Porträt wird danach auf den Ahnenaltar gestellt.
  • Der erste Todestag (giỗ đầu): Ein Jahr nach dem Tod, nach dem Mondkalender gerechnet, begeht die Familie zum Gedenken den ersten Jahrestag.
  • Das Ende der Trauer (xả tang): Auch mãn tang genannt. Drei Jahre nach dem Tod hält die Familie eine Zeremonie ab, mit der die Trauerzeit offiziell endet.

Wie lange dauert die Trauerzeit?

  • Volle Trauer (đại tang): Die volle Trauer dauert dem Namen nach drei Jahre, in der Praxis hält man sie 27 Monate lang ein. Sie gilt für die eigenen Eltern, für die Schwiegertochter beim Tod der Eltern ihres Mannes, für die Ehefrau beim Tod ihres Mannes, für den ältesten Enkel in männlicher Linie (oder den Enkel, der an seiner Stelle Hauptleidtragender ist) beim Tod der Großeltern und für den Urenkel in derselben Stellung beim Tod der Urgroßeltern.
  • Kleine Trauer (tiểu tang): Trauer, die drei Monate bis ein Jahr dauert. Die Dauer hängt davon ab, wie eng die Verwandtschaft ist.

Siehe auch:

Wie lange die Trauerzeit in Vietnam dauert

Der vietnamesische Ritus, der die Trauerzeit beendet

Tabus im vietnamesischen Bestattungsbrauch

Tränen sollen nicht auf den Leichnam fallen. Nach altem Glauben könnte der Tote sonst von einem Geist besessen werden und den Nachkommen schwere Zeiten bringen. Wie groß der Schmerz auch ist, die Trauernden achten deshalb darauf, dies zu vermeiden.
Bevor der Leichnam eingesargt ist, wacht die Familie darüber, dass weder Hund noch Katze in seine Nähe kommen. Nach altem Glauben könnte sich der Tote sonst aufrichten.
Nach langer Tradition wird für einen Sarg niemals Weidenholz verwendet. Die Weide soll keine Samen tragen, und man glaubte, ein solcher Sarg würde die Familie ohne Nachkommen lassen. Stattdessen nimmt man Kiefer oder Zypresse.
Wir hoffen, dieser Überblick hat Ihnen ein klareres Bild von den Bestattungsbräuchen vermittelt, die Vietnamesen seit alter Zeit bewahren, und von den Tabus, auf die Familien achten.

Siehe auch:

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